Motoren

Es war einmal ein Einkäufer in einem Großbetrieb, der musste für eine große Maschine einen großen Drehstrom-Asynchronmotor von 1MW Nennleistung beschaffen. Er holte natürlich mehrere Angebote ein. Dabei beriet er sich mit dem Leiter der entsprechenden technischen Abteilung und den Technikern, wie viele Betriebsstunden denn im Jahr zu erwarten seien, welche Auslastung und welches Lastprofil vorlagen. Dann begannen die Gespräche mit den potenziellen Lieferanten, welche Wirkungsgrade denn möglich seien, und es wurde eine Verlust-Bewertung vereinbart. Das heißt, dass bei Unterschreitung des im Kaufvertrag vereinbarten Wirkungsgrades ein Pönale fällig würde, ein Abzug vom vereinbarten Preis, und im Falle der Überschreitung eventuell sogar eine Vergütung, also ein Bonus auf den vereinbarten Preis, denn das ist so üblich.

Es war einmal ein anderer Einkäufer in einem ebenso großen Betrieb – oder vielleicht sogar der selbe in demselben Betrieb – der sollte für die zahlreichen kleinen Maschinen in seinem großen Betrieb 1000 kleine Drehstrom-Asynchronmotoren von je 1 kW Nennleistung beschaffen. Er holte diverse Angebote ein, gab dabei Spannung, Frequenz, Bauform und Polzahl an und bestellte beim billigsten Anbieter. Das Wort »Wirkungsgrad« tauchte nirgends auf, in der Anfrage nicht, im Bestelltext nicht und auf den Leistungsschildern der Motoren auch nicht. Vielleicht im Katalog des Herstellers, doch dort verhallte es ungelesen, denn das ist so üblich.

Bild 11
Bild 11: Die Anschaffungskosten nehmen gegen die Energiekosten eine geradezu lächerliche Höhe an, hier z. B. in einem Normmotor von 11 kW, gerechnet mit 0,066 €/kWh, 3000 h/a Volllast-Betrieb, 10 a Lebensdauer

Das Traurige an diesen beiden Märchen ist, dass sie keine sind, sondern vielmehr die Beschreibung industrieller Praxis. Hätte man die beiden Geschichten vertauscht, so hätte sich dadurch der Unsinn zumindest schon gemindert, denn große Motoren haben von Natur aus viel bessere Wirkungsgrade als kleine. Dabei kann ein Elektromotor – egal ob groß oder klein – in nur 3 Wochen Dauerbetrieb so viel Strom verbrauchen, dass die Stromrechnung den Kaufpreis des Motors bereits übersteigt! Nach 10 Jahren Betrieb sieht die Bilanz dann so aus: