Das Totschlag-Argument »Arbeitsplätze durch E-Autos«

 

 

Alles Geld, das irgendwo (zusätzlich) verdient wird, muss jemand anderes (zusätzlich) ausgeben. Wann immer jemand sich rühmt, »Kosten zu sparen«, kostet das letztendlich Arbeitsplätze, und wo immer »Arbeitsplätze geschaffen werden«, bedeutet dies zwangsläufig, dass irgendwo die Kosten in die Höhe getrieben werden. Selbst ein Techniker versteht genug von Wirtschaft, um diese Zusammenhänge zu durchschauen. Je nach dem, was gerade vorliegt, wählt man die eine oder die andere Formulierung, damit es beide Male wohlgefällig klingt.

So soll etwa die Elektromobilität allein in Österreich bis 2030 rund 34.000 neue Arbeitsplätze schaffen, hieß es wieder einmal in einer Pressemeldung. Im Text ist sogar von 57.100 neuen Beschäftigungs-Verhältnissen – und einer zusätzlichen Wertschöpfung (oder besser spräche man hier vielleicht über »Preisschöpfung«) von 3,8 Milliarden Euro – die Rede. Allerdings verstand man darunter alles, Akkumulator-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge, also auch diejenigen, die letztlich doch mit »Brennstoff« fahren (wo immer der Wasserstoff auch herkommen soll).

Die allgemeine Frage

Die erste Frage, die sich an dieser Stelle immer aufdrängt, ist, ob die Arbeitsplätze denn wirklich zusätzlich entstehen oder nur von anderswo abgezogen werden. Diese Frage wird im vorliegenden Fall sogar beantwortet: »Da die Fahrzeuge mit klassischem Antrieb in diesem Zeitraum weiterhin dominieren werden, gingen durch die Elektromobilität dort auch keine Arbeitsplätze verloren«, so die Studienautoren. Dies bedeutet:

  • Entweder wird kein einziges konventionelles Auto durch ein elektrisches ersetzt. Die Umwelt, die durch das E-Auto eigentlich doch gerettet werden sollte, dreht sich im Grabe herum.
  • Oder aber die Lesart ist: Die Auto-Industrie ist eine so große Branche, dass dieses leichte »Grundrauschen« nicht auffällt. Ein Bisschen Schwund ist doch immer. Dann könnte man auch argumentieren, beispielsweise der viel zitierte Stand-by-Verbrauch elektrischer Geräte sei überhaupt nicht vorhanden, weil andere Verbraucher viel mehr verbrauchen.
  • Oder die Studienautoren der TU Wien und von Fraunhofer bezogen sich nur auf die in Österreich nicht vorhandene Automobil-Industrie, die dort also auch keine Markt-Anteile verlieren kann. Europäisches, geschweige denn globales Denken sähe anders aus.

 

 

 

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Die spezielle Frage

Die zweite Frage ist, wie viele E-Autos die 8,4 Millionen Österreicher denn bis 2030 zunächst zu bauen und dann zu kaufen gedenken. 3,8 Milliarden Euro für 57.100 Arbeitsplätze sind 66.666 Euro für jeden Arbeitsplatz – ein hübsches Jahresgehalt, aber für 19 Jahre bleiben nur noch je 3500 Euro übrig. Als Monatsgehalt für eine Fachkraft erträglich, aber für ein Jahr? Nimmt man die Zahlen allem Verstand zum Trotz als gegeben hin, so muss man sie irgendwie aufteilen, z. B.:

  • Wenn man für 3,8 Milliarden Euro 3800 Autos bauen will, kostet jedes eine Million Euro. Oder:
  • Wenn man für 3,8 Milliarden Euro 38.000 Autos bauen will, kostet jedes 100.000 Euro. Oder:
  • Wenn man für 3,8 Milliarden Euro 380.000 Autos bauen will, kostet jedes 10.000 Euro.

Für 19 Jahre sieht dies (irgendetwas zwischen der zweiten und der dritten Option) schon fast realistisch aus. Wie sich oben schon andeutete, geht anders herum die Rechnung aber nicht auf, wenn man die Probe macht:

  • Wenn 57.100 Arbeitnehmer in 19 Jahren 57.100 Autos produzieren, kostet ein Auto 19 Jahresgehälter. Oder:
  • Wenn 57.100 Arbeitnehmer in 19 Jahren 571.000 Autos produzieren, kostet ein Auto »nur noch« knapp 2 Jahresgehälter. Oder:
  • Wenn 57.100 Arbeitnehmer in 19 Jahren … aber jetzt hat schon bald jeder Österreicher eines.

Man sieht: Noch lange bevor die eine Seite der »Gleichung« in einen vorstellbaren Rahmen rückt, rutscht die andere Seite schon wieder ins Absurde. Aber »da die Fahrzeuge mit klassischem Antrieb … weiterhin dominieren werden«, sollte der Markt doch marginal bleiben.