Gesamt-Bilanz Elektro- und Hybridfahrzeuge

 

 

Na, das wird er dann wohl auch – so lange, bis eine völlig neuartige Batterie erfunden wird, an die jetzt noch niemand denkt. Dann allerdings, ja, dann geht sofort die Post ab – aber leider erst dann.

Das jedenfalls hofft man. Nachdem am 25.07.2013 auf der Plattform »Voltimum« vier Testfahrer für E-Autos gesucht worden waren und sich der Elektrotechnik-Berater des Deutschen Kupferinstituts natürlich beworben hatte, standen nur noch drei Gesuchte aus. Dennoch musste der Aufruf am 20.08.2013 wiederholt werden. Ist das E-Auto so attraktiv, dass es selbst kostenlos noch angeboten werden muss wie sauer Bier?

Bild 9:
Bild 9: Nur vier freiwillige Tester zu finden – was ist daran so schwierig?

Am 11.12.2013 erschien dann endlich der »Erfahrungsbericht« – allerdings ohne das geringste Bisschen an Erfahrungsbericht (Bild 10). Es erschien ein Werbevideo der Herstellerfirma (für die »Wallbox«, die hier offensichtlich beworben werden sollte), und … nun ja, ein Werbevideo der Herstellerfirma. Seinen Handwerksbetrieb durfte der Testfahrer auch kurz vorstellen. Ein paar Bilder eines fahrenden Autos und ein paar sehr allgemein gehaltene, inzwischen uralte Anforderungen, wie das Netz eigentlich beschaffen sein müsste (nämlich voller Ladesäulen usw.) – das war alles, was zur Sprache kam. Ein Schelm, wer unterstellt, der Erfahrungsbericht sei wohl nicht so geraten wie erwünscht!

Man soll zwar Ideale haben, aber die Grenze zur Ideologie ist schnell überschritten. Das Adjektiv »ideal« ist ein großes Wort, das nur allzu leichtfertig an Stellen eingesetzt wird, wo bestenfalls »optimal« richtig gewesen wäre. Dem Elektromotor jedoch muss man wohl bescheinigen, das nahezu ideale Mittel der Wahl zum Antrieb von Fahrzeugen zu sein, zumindest seit ihm durch die Leistungselektronik fast jede beliebige Charakteristik zugeordnet werden kann – wenn man nur den Strom ins Auto brächte. Zu schade, dass einzig und allein der Akkumulator nicht mitmacht und so das ganze Projekt zum Scheitern bringt. Ja, es sind sogar Zweifel angebracht, ob ein chemisches System dies vom Prinzip her jemals überhaupt wird leisten können. Ein völlig neues System müsste erfunden werden, etwas wie eine »Atombatterie« beispielsweise – wobei allerdings etwas, das das »Atom« im Namen führt, zur Zeit keine Chance auf dem Markt hätte. Doch 30.000 € für ein Auto auszugeben, wenn schon für 10.000 € eines zu haben ist, das noch schneller und um ein Mehrfaches weiter fährt, ist vom Markt schlichtweg zu viel erwartet. Oder, anders herum betrachtet, wenn man auf den Preis für eine Kilowattstunde Strom aus der Steckdose 30 Cent Akkukosten aufschlagen muss, dann hilft auch keine Steuerbefreiung – ob sie nun 5 Jahre oder vielleicht doch 10 Jahre währen sollte – um nennenswerte Teile der Bevölkerung zum Umweltschutz zu motivieren.

Und selbst diesen muss man hier noch einmal kritisch beleuchten. Die Verlagerung der Verschmutzung aus den Ballungszentren hinaus ins Grüne zählt nämlich zu jenen Argumenten, die durch fortwährende Wiederholung nicht besser werden. Wenn es denn um CO2-Emissionen geht, werden diese – und ihre erwarteten Auswirkungen – sich garantiert gleichmäßig über den Globus verteilen.

Ansonsten wäre der Grad der Entlastung der Umwelt noch zu quantifizieren. Nennenswerte Einsparungen an Primärenergie je Kilometer brächte das Elektroauto weder auf der Landstraße, noch auf der Autobahn, sehr wohl aber im Stadtverkehr. Nur werden hier die wenigsten Kilometer gefahren, auch wenn wir dort einen nennenswerten Teil unserer »Fahr«-Zeit verbringen, was einen falschen Eindruck hinterlässt, da hier viel Standzeit als Fahrzeit empfunden wird.

Was dann noch fehlt, ist eine Ökobilanz, wie sie z. B. im Auftrag der EU für Produktgruppen durchgeführt werden, ehe bestimmte Regulierungen eingeführt werden – oder eben nicht. So geschehen etwa für Drehstrom-Normmotoren oder für Leuchtmittel aller Art. Dabei kommt dann mit bester Regelmäßigkeit heraus, dass der Löwenanteil aller Umwelt-Einflüsse »Energie bezogener Produkte«, meist deutlich über 90%, aus dem Energieverbrauch her rührt und Herstellung, also der Rohstoff-Verbrauch, der Transport und Vertrieb sowie die Entsorgung und Aufbereitung der Produkte, daneben überhaupt nicht mehr ins Gewicht fallen. In der Ungenauigkeit und der Schwankungsbreite, die solchen Untersuchungen naturgemäß anhaften, verschwinden diese Faktoren vollständig. So konnte die Glühlampe gar nicht anders als mit Pauken und Trompeten durchzufallen – und das im Wesentlichen, also mit Durchschnittswerten gerechnet, zu Recht. Ob diese Rechnung aber für die Glühlampe im Abstellraum auch so ausgegangen wäre, darf bezweifelt werden.

Ein privat genutzter PKW, der es nur auf 0,3% Jahres-Auslastungsgrad bringt, entspricht aber leider der Glühlampe im Abstellraum. Ein gewerblich genutzter PKW, der schon etwas näher an die 30% Jahres-Auslastungsgrad z. B. einer Leuchtstofflampe in einem Kaufhaus heran reicht und für den diese Rechnung also ganz anders ausgeht, ist mit Elektro-Antrieb technisch (noch?) nicht darstellbar. Nichtsdestoweniger liest man fortwährend und immer wieder in der Tagespresse und in Fachzeitschriften, wir sollten durch Elektroautos die Umwelt entlasten. Eine Ökobilanz, wie sie zur Beurteilung solcher Maßnahmen sonst – völlig zu Recht – immer gefordert wird, wird nicht einmal erwähnt. Dies wirft erneut Fragen auf.

Die Frage »Warum denn nicht?« ist beim Elektroauto noch nicht an der Reihe. Die Frage muss zunächst lauten: »Warum denn?« Und die darauf geläufigen Antworten sind, wenn man auf die Fakten dahinter blickt, alle noch sehr dünn.

Nach oben

Bild 10:
Bild 10: Dann endlich die Auflösung: Zwei Werbevideos ohne ein einziges Sterbenswörtchen über die gemachten Erfahrungen