Ausblick

Bild 9.1: Noch etwas »sauer Bier« gefällig?
Bild 9.1: Noch etwas »sauer Bier« gefällig?

Man könnte nun behaupten, das »Glühlampen-Verbot« habe die Glühlampen ausgerottet und somit der LED auf die Sprünge geholfen. Man könnte auch behaupten, die LED hätte sich auf dem Markt ohnehin derart etabliert, dass die Restbestände an Glühlampen nunmehr verramscht werden müssen (Bild 9.1). Was der Wahrheit näher kommt, lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen.

KLL – im Schweinsgalopp von der Neuerung zum Auslaufmodell

Die KLL jedenfalls hatte es gerade erst geschafft, zu einem marktfähigen Produkt zu reifen, da war sie schon wieder überholt (Bild 9.2). Kaum jemand will sie noch haben. Wozu denn auch? Ist doch die LED-Haushaltslampe mittlerweile sowohl effizienter als auch billiger und überwindet darüber hinaus die typischen, den KLL anhaftenden Nachteile!

Bild 9.2: Schon Mangelware: »Energiesparlampen« der ersten Art
Bild 9.2: Schon Mangelware: »Energiesparlampen« der ersten Art

Daher die Frage an den Vertriebsleiter der Firma Megaman auf der Elektrotechnik Messe in Dortmund im Februar 2017: »Wie viel Umsatz machen Sie denn eigentlich noch mit KLL?« – »Och, so ungefähr 2% … 3% des gesamten Geschäfts.« Und dies ohne jedes KLL-Verbot oder irgendetwas, das einem solchen gleich käme. Auf der Light & Building 2018 bestätigte er diesen Anteil.

Bild 9.3: Ein Kellerraum mit Glühlampe 100 W und …
Bild 9.3: Ein Kellerraum mit Glühlampe 100 W und …
Bild 9.4: … mit einer LED-Lampe 14 W, aufgenommen mit gleichen Belichtungsdaten wie Bild 9.3!
Bild 9.4: … mit einer LED-Lampe 14 W, aufgenommen mit gleichen Belichtungsdaten wie Bild 9.3!

Die Glühlampe musste ohnehin weichen

Dass die LED (Bild 9.4) die Glühlampe in die Tasche steckt, ist banal (Bild 9.3), Halogenglühlampen inbegriffen. Dass man aber für 1/7 der Leistungsaufnahme objektiv gemäß Werksangabe oder Messung im Labor etwa gleich viel, dem subjektiven Eindruck nach sogar noch mehr Licht bekommt (Bild 9.5, Bild 9.6), ist schon bemerkenswert! Zum Teil dürfte dies auf die schon früher angeprangerte »Strahler-Mode)« zurück zu führen sein, die nun zeitgleich mit Einführung der LED ausläuft – ohne dass hier ein Kausalzusammenhang bestünde, denn Punktstrahler lassen sich gerade mittels LED ganz hervorragend fertigen! Man beschränkt sich heute aber auf die sinnvollen Einsatzfälle.

Die Glühlampe konnte das sehr wohl – wenn auch nur mit kläglicher Lichtausbeute – weil das eigentlich leuchtende Element, ihr Glühfaden, sehr klein ist. Die Leuchtstofflampe kommt da nicht mit, obwohl sie eine recht effiziente Lichtquelle darstellt. Nimmt man eine ideale weiße Lichtfarbe an, so erreicht die Leuchtstofflampe – einschließlich der Verluste im Betriebsgerät – eine Lichtausbeute, die einem physikalischen Wirkungsgrad von über 50% entspräche. Mehr kann man kaum erwarten.

Bild 9.5: Die Bad-Beleuchtung mit 3*50 W Halogenglühlampen kann man hier gleich auf BSE (»bad simple English«) mit »Bad Lighting« übersetzen
Bild 9.5: Die Bad-Beleuchtung mit 3*50 W Halogenglühlampen kann man hier gleich auf BSE (»bad simple English«) mit »Bad Lighting« übersetzen
Bild 9.6: Bad-Beleuchtung umgerüstet auf 3*5 W LED-Lampen, Aufnahme mit gleichen Belichtungsdaten wie Bild 9.5
Bild 9.6: Bad-Beleuchtung umgerüstet auf 3*5 W LED-Lampen, Aufnahme mit gleichen Belichtungsdaten wie Bild 9.5

LED – von der Innovation zur Selbstverständlichkeit

Bild 9.7: Arbeitszimmer mit 2 KLL 9 W und 6 W in der Stehleuchte, Schreibtischleuchte (2016) schon »serienmäßig« mit LED 3 W
Bild 9.7: Arbeitszimmer mit 2 KLL 9 W und 6 W in der Stehleuchte, Schreibtischleuchte (2016) schon »serienmäßig« mit LED 3 W

Erst die LED vermag diese beiden Eigenschaften – und noch ein paar mehr – miteinander zu verbinden und überrundet dabei sogar die Energie-Effizienz der Leuchtstofflampe noch deutlich. Dies allein stellt zwar noch keinen Grund dar, Bestandsanlagen umzurüsten. Im Neubau jedoch oder wenn der Bestand ohnehin umgerüstet oder renoviert wird, kommt hinzu, dass eine LED – ausgenommen einige exotische Sonderfälle – nicht nur praktisch alle Nachteile der Leuchtstofflampe überwindet, sondern heute zum Teil sogar in der Anschaffung und Installation schon weniger kostet – von den Betriebskosten gar nicht erst zu reden (Tabellen 6.1 bis 6.3). Wie kann da die Entscheidung noch anders ausgehen als für eine LED-Beleuchtung? Allenfalls noch aus Gewohnheit – und die ist nicht unbedingt der beste Berater.

Bild 9.8: Arbeitszimmer mit 2 LED-Lampen 5,5 W und 4 W in der Stehleuchte, aufgenommen mit gleichen Belichtungsdaten wie Bild 9.7 (Schreibtischleuchte LED 3 W wie gehabt)
Bild 9.8: Arbeitszimmer mit 2 LED-Lampen 5,5 W und 4 W in der Stehleuchte, aufgenommen mit gleichen Belichtungsdaten wie Bild 9.7 (Schreibtischleuchte LED 3 W wie gehabt)

Das in den ersten Jahren stets und ausschließlich gehörte Argument, warum jemand von Leuchtstofflampen auf LED umstellen wollte oder dies wollen sollte, lautete: Wegen der Effizienz! Dies galt so lange, wie die Lichtausbeuten der LED-Leuchtmittel auch nicht höher waren als die der Leuchtstofflampen. Seit sich die LED tatsächlich (auch) in diesem Punkt einen Vorsprung vor den Leuchtstofflampen erarbeitet haben (Bild 9.7, Bild 9.8), braucht man nicht mehr behaupten, sie hätten ihn. Jetzt können sich die Protagonisten um die anderen Vorzüge der LED kümmern.

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Energie-Effizienz ist nicht alles

Bild 9.9: Dekorative Beleuchtung in einer Wohnzimmer-Schrankwand mit T5-Lampen 8 W und 13 W sowie Halogenglühlampen 5 W und 20 W, Anschlusswert insgesamt 115 W
Bild 9.9: Dekorative Beleuchtung in einer Wohnzimmer-Schrankwand mit T5-Lampen 8 W und 13 W sowie Halogenglühlampen 5 W und 20 W, Anschlusswert insgesamt 115 W

So ist die Effizienz des LED-Lichts seit 2016 auf dem jährlichen LED-Forum in Lausanne kein Thema mehr. Vielmehr beschäftigt man sich dort nun mit »human centric lighting«, also menschengerechter Beleuchtung, mit circadianer Beleuchtung, die (hinsichtlich der Lichtfarbe) den Rhythmus des Tageslichts nachmacht, und dergleichen Eigenschaften mehr. Diese lassen sich mittels LED bedeutend einfacher umsetzen als mit allen älteren Techniken oder werden durch die LED erst möglich.

Bild 9.10: Dekorative Beleuchtung in der Wohnzimmer-Schrankwand aus Bild 9.9, umgerüstet auf LED-Klebstreifen (Bild 3.9; Bild 3.14) und LED-Stiftsockellampen GU4, Gesamt-Leistungsaufnahme nun nur noch ≈ 36 W
Bild 9.10: Dekorative Beleuchtung in der Wohnzimmer-Schrankwand aus Bild 9.9, umgerüstet auf LED-Klebstreifen (Bild 3.9; Bild 3.14) und LED-Stiftsockellampen GU4, Gesamt-Leistungsaufnahme nun nur noch ≈ 36 W

Derweil zeigt die LED weiterhin, dass sie mehr kann als »nur« Energie sparen (Bild 9.9, Bild 9.10): Nie wieder Möbel zerlegen, weil man eine äußerst versteckt eingebaute T5-Lampe wechseln muss; nie wieder sich beim Tauschen der in Zierleisten eingebauten GU4-Birnchen die Finger brechen oder verbrennen!

Langlebige Produkte auf kurzlebigen Märkten

Bild 9.11: Altglas der besonderen Art?
Bild 9.11: Altglas der besonderen Art?

Die Bilanz (Tabelle 6.3) zeigt deutlich, dass es am wirtschaftlichsten ist, alte oder auch gar nicht so alte Glühlampen dem Hausmüll zu überantworten, selbst wenn sie noch funktionstüchtig sind (Bild 9.11). Doch was ist denn nun mit den angebrauchten und zum Teil sogar noch ungebrauchten KLL? Angeschafft wurden sie vor noch gar nicht langer Zeit, weil man etwas Besseres, etwas »Zukunftsfähiges« haben wollte – und nun (Bild 9.12)? Entsorgen? Letztlich wird es wohl genau darauf hinauslaufen. Kurz nach der Umrüstung der Leuchte aus Bild 0.2 mit einer dimmbaren LED-Lampe (Bild 5.14) wurde die komplette Leuchte ersetzt (Bild 5.15). Mit etwa 50 000 h Lebensdauer wird sie dort noch etwa 20 Jahre Dienst tun. Wird man sie danach überhaupt noch an dieser Stelle betreiben wollen, selbst wenn sie noch funktionstüchtig ist? Wird man sie anderenfalls – Zhaga sei Dank – wieder in einen funktionstüchtigen Zustand zurück versetzen wollen? Ihre Vorgängerin landete nach etwa 25 Dienstjahren funktionstüchtig auf dem städtischen Entsorgungshof – allerdings ohne das noch fast nagelneue dimmbare LED-Leuchtmittel. Dieses tut jetzt in einer anderen Leuchte (sehr sporadischen) Dienst, die äußerst selten genutzt wird und wo die Glühlampe deswegen die nächsten 20 Jahre hätte verbleiben können, aber diese landete (zunächst in Bild 9.11 und dann) im Müll, denn die LED-Lampe war nun mal vorhanden – und in jeder Hinsicht viel besser. So lässt die Praxis an der Sinnhaftigkeit langer Lebensdauern auf von starker Innovationskraft geprägten Märkten Zweifel aufkommen.

Bild 9.12: Und was machen wir jetzt hiermit? Alles auf den Sondermüll – ob jemals gebraucht oder nicht?
Bild 9.12: Und was machen wir jetzt hiermit? Alles auf den Sondermüll – ob jemals gebraucht oder nicht?

Vielleicht aber beruhigt sich dieser Trend auch wieder, denn der Weg der LED von der Innovation zum Standard ist praktisch abgeschlossen. Bald sagt niemand mehr »LED-Leuchtmittel« oder »LED-Lampe«, sondern nur noch »Lampe«. Wir sagen doch auch nicht mehr: »Mach‘ mal das elektrische Licht an«, wie die Oma eines Kollegen noch zu sagen pflegte, sondern »Mach‘ mal das Licht an«. Und in Lausanne dürfte es bald »nur« noch ein »Lichtforum« geben.