Lebensdauer

Bild 8.1: Dieses Leuchtmittel war knapp ein Jahr lang in einem Badezimmer im Einsatz und funktionierte trotz der verdächtigen Verfärbung noch, wurde aber vom Hersteller umgehend kostenlos ersetzt
Bild 8.1: Dieses Leuchtmittel war knapp ein Jahr lang in einem Badezimmer im Einsatz und funktionierte trotz der verdächtigen Verfärbung noch, wurde aber vom Hersteller umgehend kostenlos ersetzt

Leider altern auch LED. Vom ersten Moment an lässt der Lichtstrom nach, oder einzelne LED eines Leuchtmittels fallen aus. Die Geschwindigkeit dieser Prozesse hängt in ganz entscheidender Weise von der Betriebstemperatur ab. Nun ließe sich die Erwärmung der einzelnen Leuchtdioden reduzieren, indem man diese nicht »voll ausfährt«, sondern unterhalb des Nennstroms betreibt. Setzt man doppelt so viele LED-Elemente ein wie für die jeweilige Aufgabe erforderlich und belastet sie jeweils nur mit der halben Leistung, lässt sich die Lebensdauer hierdurch vervielfachen – und dies ohne Einbußen beim Wirkungsgrad, wie es etwa bei Glühlampen der Fall wäre. Dem stand bis vor kurzem der hohe Preis entgegen, insbesondere in der Phase der Markt-Einführung.

Diese haben wir aber nunmehr bei der LED ziemlich plötzlich hinter uns, und die LED ist zur Standard-Lichttechnik geworden. Sie kostet sogar weniger als die Vorgängertechnik (Tabellen 6.1 und 6.2)! Dies schließt nicht aus, dass es bei Lampen aus dem Jahr 2014 noch zu Frühausfällen kommt (Bild 8.1). Es handelt sich jedoch um eine der Lampen aus Bild 7.2. Es ist deshalb auch möglich, dass diese eine Lampe bei dem dort beschriebenen Versuch Schaden genommen hat – was ein weiteres Beispiel für die mitunter drastischen Auswirkungen eines »Sternpunkt-Verlustes« beisteuern würde. Ganz allgemein darf man in die Langlebigkeit der LED wohl weit mehr Vertrauen setzen als noch vor relativ kurzer Zeit – bei aller Vorsicht, die gegenüber dem Begriff »Lebensdauer« geboten ist, denn es gibt viele unterschiedliche Definitionen. Die jeweils gemeinte gilt es im Einzelfall zu ergründen, ehe man Äpfel mit Birnen vergleicht, wie in einer Quelle ganz ausgezeichnet beschrieben. Demnach müssen die Lebensdauern mindestens 6 000 h lang gemessen werden. Danach darf nach einem Rechenverfahren bis zum 6-Fachen der gemessenen Zeit hochgerechnet werden, also bis mindestens 36 000 h; wer länger misst, darf auch entsprechend mehr angeben. Angegeben wird dann eine Lebensdauer in Stunden mit einer Bezeichnung wie z. B. »LM80 B10«. Dies bedeutet, dass nach Ablauf der Lebensdauer der Lichtstrom-Erhalt (»lumen maintenance«) noch 80% beträgt. Dies bezieht sich jedoch nur auf jene Lampen, die bis dahin überhaupt noch funktionieren. »B10« weist darauf hin, dass 10% aller Prüflinge bis dahin ganz ausgefallen sein dürfen – mit den logischen Konsequenzen für den Lichtstrom der gesamten Anlage.

Außerdem muss selbstverständlich die Umgebungstemperatur angegeben werden, auf die sich die Angabe bezieht. Das Rechenverfahren selbst ist zwar genormt, doch wird darauf hingewiesen, dass sich der theoretische, errechnete Lebensdauer-Verlauf (Lichtstrom-Erhalt der gesamten Anlage einschließlich Ausfälle) unterschiedlich darstellt, je nach dem, auf welchen B-Wert hin man rechnet.

Hingewiesen wird auch auf die unterschiedliche Empfindlichkeit unterschiedlicher LED gegen aggressive Gase in der Industrie, in Schwimmbädern (Chlor) oder etwa in der Landwirtschaft (Ammoniak). Sowohl der Lichtstrom-Rückgang als auch die Farbdrift können hierdurch um ein Vielfaches beschleunigt werden. Das kommt davon, wenn man den Leuchtstoff außen aufbringen muss. Bei der Leuchtstofflampe liegt er unter Glas; bei speziellen geeigneten LED-Leuchtmitteln muss dieses zusätzlich (gasdicht) angebracht werden.

Während dies so ist, besteht jedoch weiterhin die den KLL auf den Leib geschneiderte EU-Vorschrift – also in deren Fall schon mehr ein Korsett – dass die Lebensdauer auch für eine bestimmte minimale Zahl von Schaltspielen noch gilt. Na gut, da die Schalthäufigkeit bei den LED prinzipiell keinen Einfluss hat, schreibt man dann eben »eine Million Schaltungen« auf die Verpackung. Entsprechendes gilt im Übrigen für die hier völlig überflüssige Angabe, dass das Leuchtmittel z. B. innerhalb von 0,1 s auf 100% seines Nenn-Lichtstroms kommt. Natürlich tut es das. Warum denn nicht?

Zur Zeit läuft eine öffentliche Befragung der EU, welche Angaben die Verbraucher denn überhaupt (noch) auf ihren Produkten haben wollen. Wir versehen doch auch nicht all unsere Autos mit Aufklebern wie: »Dieses Fahrzeug läuft auf 4 Gummireifen« – nur weil es einmal Pferdekutschen mit Holzrädern und Eisenreifen gab; also weg mit dem alten Zopf.