Mögliche Störungen bei elektronischen Vorschaltgeräten

Die erste der genannten Arten, Strom aus dem Netz aufzunehmen, die unmittelbare Gleichrichtung, führt zu extremen periodischen Stromspitzen im Bereich des Spannungsscheitels, während im restlichen Verlauf der Halbschwingung gar kein Strom fließt (Bild 5.1). Diese Stromkurvenform enthält einen hohen Anteil Oberschwingungen insbesondere dritter Ordnung und Vielfacher von 3, die sich im Neutralleiter addieren statt sich auszulöschen und ein ganzes Bündel in letzter Zeit vielfach analysierter und beschriebener Probleme hervorrufen: Neutralleiter-Überlastung, Überhitzung von Transformatoren, in Netzen mit hoher Impedanz erhebliche Verzerrung der Spannungskurven, und in TN-C- bzw. TN-C-S-Systemen verteilen sich diese ständigen Betriebsströme auch auf sämtliche geerdeten Metallteile einschließlich die Schirme von Datenleitungen. Dort können sie eine Anzahl weiterer Probleme anrichten wie magnetische Streufelder, Korrosion an Rohrleitungen und Erdungs-Anlagen und vor allem Fehlfunktionen und Schäden des EDV-Netzes.

Bild 6.1
Bild 6.1: Vergleich einer KLL ohne PFC (links) mit einem EVG mit PFC (rechts)

Stör-Aussendungen elektronischer Vorschaltgeräte

Bild 6.2
Bild 6.2: 3 EVG uralten Typs oder 3 moderne KLL beim Betrieb an den 3 Außenleitern des Netzes

Während diese Oberschwingungen in modernen Bürobauten von der Vielzahl von PCs, deren Bildschirmen und Zubehör her rühren, tragen EVG unter 25 W einschließlich KLL wegen ihrer mäßigen Verbreitung nur zu einem kleineren Teil zu diesem Problem bei. Jedoch sämtliche Leuchtstofflampen nach diesem einfachen Prinzip zu betreiben wäre ein Ding der Unmöglichkeit, weswegen das fortschrittliche EVG mit elektronischer Leistungsfaktor-Korrektur (PFC – Power Factor Correction) entwickelt wurde (Bild 5.2). Eine Quelle gibt an, etwa 30% bis 50% des Preises eines EVG gingen auf das Konto der Entstörung. Der größte Teil hiervon wandert in die PFC – mit beachtlichem Erfolg, wie ein Vergleich zeigt (Bild 6.1): Der Eingangsstrom einer KLL von nur 11 W Nennleistung ohne PFC hat fast den gleichen Scheitelwert wie der eines 58-W-EVG mit PFC. Der gesamte Verzerrungs-Gehalt der Eingangsströme beträgt im ersten Fall 80% und im zweiten kaum 19%. Wenn auch an einem induktiven Vorschaltgerät nur 12% gemessen wurden, ist dieser Wert doch niedrig genug, um Oberschwingungs-Probleme auszuschließen.

Bild 6.3
Bild 6.3: Der sich aus den Außenleiter-Belastungen nach Bild 6.2 ergebende Neutralleiterstrom

Dies jedoch ruft wieder eine andere Art Störungen hervor. Da die Pulsweiten-Modulation am Eingang den Eingangsstrom in viele »dünne Scheibchen zerhackt«, kommt dies der Emission eines hochfrequenten Stroms gleich, der durch einen Kondensator am Eingang eines jeden EVG erheblich gedämpft, aber nicht vollständig ausgefiltert wird (Bild 6.4). Damit bleibt die Möglichkeit von leitungsgebundenen ebenso wie abgestrahlten Störungen bestehen. So ist es beispielsweise vorgekommen, dass die Frequenz bei 77 kHz lag und somit gleich der des Frankfurter Zeitzeichensenders der Atomuhr bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig war. Als Folge funktionierten in den mit diesen EVG ausgestatteten Gebäuden keine Funkuhren mehr. Diese Störungen treten typischerweise bei zwei verschiedenen Frequenzen auf, da der HF-Wandler und die PFC in dem EVG offenbar mit verschiedenen Taktfrequenzen arbeiten (Bild 6.5): Erstere zeichnet für die abgestrahlte und letztere für die leitungsgebundene Störung verantwortlich. Darüber hinaus bestehen diese Frequenzen, da sie nicht sinusförmig sind, ihrerseits wieder aus einem theoretisch unendlichen Spektrum von Oberschwingungen, so dass die höchsten praktisch vorkommenden Frequenzen bis in den Megahertz-Bereich reichen. Inzwischen sind Normen zur Begrenzung der zulässigen Pegel solcher Störungen erlassen worden. Leider wird gemäß diesen Normen nur eines der fraglichen EVG im Labor geprüft, während sich viele hundert oder sogar einige tausend Stück gemeinsam in einer Anlage im Einsatz befinden, so dass sich die Störpegel zum Teil addieren. Darüber hinaus gibt es eine von keiner Norm erfasste Frequenzlücke, so dass innerhalb eines bestimmten Frequenz-Bereichs keinerlei Grenzwerte bestehen. Gewiefte Ingenieure schaffen es, sämtliche Störungen in dieses Frequenzband zu verlagern, gerade so, als ginge es um die Erfüllung von Normen statt um die Vermeidung von Störungen. Eine Vielzahl von Störfällen ist bislang inoffiziell bekannt geworden, jedoch wegen der besonderen Struktur dieses Marktes nie an die Öffentlichkeit gelangt.

Bild 6.4
Bild 6.4: Eingangsstrom eines EVG bei verschiedenen Zeitmaßstäben

Gutachter und Sachverständige berichten vielfach über ein Schwingen der Netzspannung in Anlagen mit großem EVG-Anteil. Am Einspeisepunkt lässt sich dann Entsprechendes am Strom beobachten, jedoch mit gegenüber der Spannung umgekehrter Phasenlage, also muss diese Stromschwankung die Ursache für die Spannungsschwankung darstellen. Von Frequenzen bis zu 3 Hz ist die Rede, meist jedoch nur 0,3 Hz oder oft noch erheblich niedriger, typischerweise etwa eine Periode auf 30 Sekunden. Die Sachverständigen sehen einen Zusammenhang mit dem in solchen Anlagen meist kapazitiven Leistungsfaktor, den sie dort vorfinden, während dies allein nicht der Grund sein kann. Sicher ist der Leistungsfaktor der EVG meist leicht kapazitiv (Bild 6.1), und sicher werden die Anlagen normalerweise nicht dauerhaft gemessen oder überwacht, so dass es niemand merkt, wenn die Kompensations-Anlage überkompensiert und also abgeschaltet oder herunter gestuft werden müsste, doch eine derart niedrige Resonanz-Frequenz könnte nur durch enorm große Kapazitäten ebenso wie Induktivitäten hervorgerufen werden. Eher wird der Grund in der automatischen Regelung der Ausgangsleistung der EVG liegen: Tritt aus irgendwelchen Gründen ein Spannungs-Einbruch auf, muss das EVG mehr Strom aufnehmen, um die Ausgangsleistung zu stabilisieren, und ist der Anteil an der Gesamtleistung hinreichend hoch, der von solcher Art Lichttechnik aufgenommen wird, wird dies den Einbruch spürbar verstärken. Die Spannung fällt also weiter, und der Gesamtstrom nimmt so lange weiter zu, bis die Zunahme des Eingangsstroms bei den EVG durch die Abnahme bei jenen Betriebsmitteln ausgeglichen wird, bei denen der Strom mit der Spannung fällt, wie etwa ohmsche Lasten. Diese Eigenschaft wird sogar auf den Leistungsschildern der EVG angegeben (Bild 6.6). Nun kehrt sich der Vorgang um, und eine Spannungs-Erhöhung setzt ein. Nach den Gutachtern lässt sich das Problem gewöhnlich lösen, indem man die ausgefallenen EVG (derentwegen sie gerufen wurden) jeweils durch VVG ersetzt, ohne entsprechende Kompensationsleistung hinzu zu fügen. Sobald ein Anteil von etwa 1/3 aller Lampen mit VVG ausgestattet ist, kommen nicht nur die Ausfälle der EVG zum Stillstand, sondern auch das Schwingen der Spannung hört auf. Daher führen sie die Besserung auf den jetzt leicht induktiven Leistungsfaktor der Anlage zurück, während der tatsächliche Grund wohl eher in einer inversen Charakteristik von VVG und EVG zu suchen sein dürfte: Die Strom-Aufnahme der VVG, sowohl Wirk- als auch Blindstrom, fallen bei Spannungs-Absenkung überproportional zum Strom. Ein linearer Fall würde möglicherweise nicht ausreichen, um den Strom-Anstieg der EVG auszugleichen.

Bild 6.5
Bild 6.5: Frequenzspektrum desselben EVG

Ein Hochfrequenz-Fachmann berichtete, er habe mehrere EVG untersucht und herausgefunden, dass deren HF-Emission ebenfalls variiert. Sie springt zwischen mindestens zwei Frequenzbändern periodisch hin und her, und das ist offenbar beabsichtigt und eingebaut. Der Hintergrund ist wahrscheinlich, dass die betreffende Norm ein gewisses Maß an Störstrahlung je Frequenzband erlaubt, integriert über einen festgelegten Zeitraum. Also »erfüllt« man diese Norm durch »Verteilen des Schmutzes über eine größere Fläche«. Leider konnte der Fachmann nicht sagen, um welche Norm es sich hierbei handelt.

Bild 6.6
Bild 6.6: Ein Vorteil von EVG: Sie gleichen Schwankungen der Eingangsspannung aus – möglicher Nachteil hiervon: Die Strom-Aufnahme nimmt während eines Spannungs-Einbruchs zu

In einem anderen Fall fielen fortwährend die Überspannungs-Ableiter in einem brandneuen Supermarkt aus. Der gesamte Markt war mit EVG sowie mit ordentlich in Grob-, Mittel- und Feinschutz gegliedertem Überspannungsschutz ausgestattet. Die Feinschutz-Geräte jedoch fielen reihenweise aus und sahen anschließend stark verschmort aus, während weder Mittel- noch Grobschutz angesprochen hatte. Somit müsste hier der Schutz wohl anders herum aufgebaut werden, die Grobstufe innen und die Feinstufe außen, da die Störung in diesem Fall offenbar von innen kam.

Bild 6.7
Bild 6.7: EVG-Ausfälle an der ETH Zürich in einem Jahr

Empfindlichkeit elektronischer Vorschaltgeräte gegen Störungen

Bild 6.8
Bild 6.8: Immer das gleiche Schadensbild: Der Filter-Kondensator wurde …

Entsprechendes gilt für die Empfindlichkeit von EVG. Oft hört man, sie fielen unter bestimmten Bedingungen reihenweise aus (Bild 6.7), ohne dass irgendjemand sagen kann, was für Bedingungen dies denn nun sind – und auch hierüber scheint ein unausgesprochenes Schweigegelübde zu schweben. In einem Fall erhielt ein größerer Elektro-Handwerksbetrieb die Klage eines Kunden, von einer großen Zahl neu installierter EVG habe ein erheblicher Anteil von Anfang an nicht funktioniert. Der Handwerker ersetzte die ausgefallenen EVG und reichte die Beschwerde an den Lieferanten weiter, einen der Marktführer der europäischen Beleuchtungstechnik. Er erhielt ein Schreiben zurück, in dem er in höflichen Worten darauf hingewiesen wurde, eine Anfangs-Ausfallquote von 17% sei bei EVG völlig normal. Der Handwerksbetrieb teilte dies seinem Kunden mit, der gern eine Kopie dieses Schreibens gehabt hätte, was jedoch abgelehnt wurde.

Nur am Flughafen Paderborn-Lippstadt, einem kleinen, aufstrebenden deutschen Regional-Flughafen, ließen sich zwei Fälle beleg

  • Von ≈80 EVG waren in einem Anlagenteil nach nur 4 Monaten nicht weniger als 30 ausgefallen. Die gleichen Leuchten mit den gleichen EVG vom selben Hersteller und sogar aus derselben Lieferung funktionieren in einem benachbarten Teil des Netzes, der vom selben Transformator, nur von einer anderen Unter-Verteilung gespeist wird, ohne einen einzigen Ausfall. Bislang konnte kein Hinweis auf die Gründe dieser Ausfälle gefunden werden, außer dass von der Unter-Verteilung mit den Ausfällen ausschließlich solche EVG-Leuchten gespeist werden, während die andere auch andere Lasten versorgt. Dies würde bedeuten, dass EVG sich gegenseitig »abschießen«, solange andere Verbraucher nicht deren Ausscheidungen aufnehmen. Und in der Tat: So wie die ausgefallenen EVG nach und nach durch VVG ersetzt wurden, kamen die Ausfälle bei einem VVG-Anteil von etwa 35% zum Stillstand. Dies bietet weiteren Stoff für Spekulationen, jedoch noch immer keine Klarheit.
  • Etwa ein halbes Jahr später setzte an einem anderen Einsatzort am selben Flughafen eine ähnliche Ausfallwelle ein, jedoch mit anderen EVG eines anderen Herstellers.
Bild 6.9
Bild 6.9: … durch einen von der leichten HF-Spannung getriebenen, relativ starken HF-Strom überlastet

In einem Krankenhaus in Kaufbeuren wurden Anfang 2003 etwa 480 Decken-Einbauleuchten eingesetzt (zu Deutsch »Downlights« – ein englisches Wörterbuch kennt diesen Begriff übrigens nicht), jede mit 2 Leuchtstofflampen zu je 13 W mit einem gemeinsamen EVG. Bis Ende 2004 mussten insgesamt 800 Lampen wegen Glühwendelbruch ersetzt werden. Nach langer vergeblicher Ursachensuche stellte das hiermit beauftragte Unternehmen einen Zusammenhang mit den in dieser Anlage relativ langen Leitungswegen fest: Auf Grund irgendwelcher sehr schneller Spannungsänderungen schalteten die EVG auf Vorheizmodus um. Der Effekt ließ sich im Labor mit einer 50 m langen Verlängerungsschnur und einer Bohrmaschine nachvollziehen, wobei es sich nicht unbedingt um eine Bohrmaschine handeln musste, sondern jedes andere Gerät mit einem eingangsseitigen Entstör-Kondensator tat es auch. Dabei musste diese Prüflast noch nicht einmal in Betrieb gesetzt werden; das reine Anschließen erzeugte schon einen extrem kurzen Ladestromstoß von nur wenigen Mikrosekunden, jedoch extremer Stromsteilheit mit entsprechendem Spannungs-Einbruch im Netz. Das EVG missdeutete diesen als ein Aus- und wieder Einschalten, schaltete den Vorheizstrom ein und wartete auf einen Anstieg des Lampenstroms als Zeichen erfolgten Starts. Der Anstieg blieb aber aus, da sich die Lampe bereits in Betrieb befand, so dass der Vorheizstrom nicht mehr abgeschaltet wurde und die Wendel überlastete.

Ein weiterer Fall ereignete sich gleichsam wie das sprichwörtliche Pferd vor der Apotheke bei der Endprüfung an einer Fertigungsstraße von T5-Leuchtstofflampen 80 W. Hier wird eine Stückprüfung mit 1 Stück je Sekunde durchgeführt. Die zur Prüfung eingesetzten EVG überstanden die hohe Schalthäufigkeit nicht und fielen fortwährend aus, was jedes Mal einen Fertigungs-Stillstand mit sämtlichen damit verbundenen Kosten bedeutete. Leider aber lassen sich T5-Lampen nicht mit induktiven Vorschaltgeräten betreiben. – Nicht? Warum eigentlich nicht? Bei der 80-W-Lampe funktioniert es nicht, weil deren Brennspannung zu hoch ist. Zumindest die Netzspannung von 230 V reicht nicht aus, doch in gewerblichen Anlagen ist stets auch eine zweite »Spannungsebene« von 400 V verfügbar. Ein Hersteller induktiver Vorschaltgeräte entwickelte daraufhin eine Typenreihe von 400-V-VVG für T5-Lampen. Auf der Light & Building 2004, 2006 und 2008 in Frankfurt wurden einige Prototypen ausgestellt und befinden sich nun in der Lampen-Produktionsstätte in der Endprüfung im Einsatz. Bemerkenswerterweise bedeutet dies, dass jener Hersteller seine T5-Lampen implizit zum Betrieb an 50 Hz spezifiziert, da die Endprüfung ausschließlich hiermit durchgeführt wird! Der erforderliche 400-V-Starter ist bereits kommerziell verfügbar und befindet sich natürlich an der Produktionsstraße im Einsatz – im rauen Dauer-Einsatz, wohl gemerkt, ohne Ausfälle!

Von einer weiteren Anlage wird berichtet, dort habe man fast zwei Jahre lang nach der Ursache fortwährender EVG-Ausfälle gesucht, bis man auf mechanische Schwingungen als Auslöser kam. Den ganzen Tag über fuhren Gabelstapler in die Halle und wieder hinaus, und eine automatische Schwingtür verursachte jedes Mal eine Druckwelle, die die Decke in Schwingungen versetzte. Dadurch lockerten sich bestimmte Bauteile auf den Platinen.

Als reiche es nicht, genanntes Pferd nur ein Mal zu zitieren, ereignete sich der nächste Fall im Verwaltungs-Gebäude eines der vier großen deutschen Stromversorger. Von einem bestimmten Doppel-EVG 2*26 W waren 1100 Stück eingesetzt und nach einem halben Jahr bereits 400 Stück ausgefallen. Das 9 Stockwerke große Gebäude war im August 2000 bezogen worden. Anfangs ereigneten sich bei allen eingesetzten EVG Ausfälle, doch dann konzentrierten sie sich auf diese eine Type. Das Schadensbild war stets das gleiche: Ein netzparalleler Filter-Kondensator platzte (Bild 6.9). Messungen brachten keinen bemerkenswerten Anteil an HF-Überlagerung der Netzspannung zu Tage, lediglich das in solchen Anlagen heute übliche Ausmaß, doch das EVG selbst nahm einen erheblich mit HF der eigenen Taktfrequenz überlagerten Strom auf (Bild 6.10). Wegen seiner bei höheren Frequenzen entsprechend niedrigeren Reaktanz wurde der für 400 V bei 50 Hz ausgelegte Kondensator überlastet. Daher muss die Vielzahl in der Anlage eingesetzter EVG, die jeweils einen gewissen HF-Strom in das Netz entlassen, als Ursache für die häufigen Ausfälle angesehen werden. Der Ersatz des Kondensators durch eine für 630 V bei 50 Hz ausgelegte Type könnte durch die größere hiermit verbundene Reserve, obwohl auch die Wahl des 400-V-Typs schon eine Vorsichtslösung darstellte, möglicherweise das Problem lösen, doch wurde beschlossen, sicherheitshalber alle EVG in der betroffenen Leuchtentype durch VVG zu ersetzen.

Eigenartigerweise ist bislang kein einziger solcher Fall rätselhafter Massen-Ausfälle von KLL bekannt geworden, obwohl hier bis auf die PFC die gleiche Technik zum Einsatz kommt. Dies mag daran liegen, dass KLL nicht in solch großer Zahl innerhalb einer Anlage zum Einsatz kommen. Wahrscheinlicher jedoch ist die zusätzliche Elektronik die Haupt-Ursache für die Ausfälle der EVG, die zwangsläufig am Netz-Eingang angeordnet sein muss, wo sie sämtlichen Transienten und anderen Störungen aus dem Netz ausgesetzt ist.

Natürlich gibt es dann keine Alternative zum Einsatz von EVG, wenn ein und dieselbe Leuchte mit verschiedenen Spannungen und Frequenzen oder mit Gleichstrom betrieben werden soll. In vielen Bahnfahrzeugen beispielsweise kann die Beleuchtung sinnvollerweise nur mit Gleichstrom versorgt werden, da die Bahn selbst mit Gleichstrom oder 16,7 Hz betrieben wird. Da die Gleichstrom-Versorgung die aktive PFC überflüssig macht, sind bislang keine Massen-Ausfälle bekannt geworden, was abermals bestätigt, dass der Schwachpunkt in der elektronischen Leistungsfaktor-Korrektur liegt. Die älteren InterRegio-Wagen der DB bilden eine Ausnahme, wo die vom Fahrgast einzeln schaltbaren Decken-Einbauleuchten ganz offensichtlich mit KVG und Glimmstarter ausgeführt sind, wie das vertraute Flackern beim Einschalten verrät. Dies bedeutet, dass im Wagen eigens eine 50-Hz-Versorgung mittels eines Umrichters erzeugt wird, die entweder aus der 16,7-Hz-Versorgung von der Lokomotive (»Zugsammelschiene«) oder aus der 24-V-Gleichstrom-Versorgung des Wagens gespeist wird, da der Einsatz der 16,7-Hz-Bahnspannung nicht nur zu einem Stroboskoplicht, sondern auch zu drei Mal größeren und schwereren Vorschaltgeräten führen würde, was in Fahrzeugen von nachteiligem Einfluss ist. Wie berichtet wird, wurde diese Lösung gewählt, weil bahntypische Störungen wie Funkenbildung am Strom-Abnehmer zu EVG-Ausfällen geführt haben sollen, doch offensichtlich wurde dieses Problem mittlerweile gelöst, und in heutigen Bahnen werden EVG (aber eben ohne die hier überflüssige PFC) ohne nennenswerten Ärger eingesetzt.

Bezüglich der Abhängigkeit oder Unabhängigkeit des Lichtstroms von der Netzspannung hat ein deutsches Unternehmen einen Versuch mit verschiedenen EVG und KLL, einer Allgebrauchs-Glühlampe (zum Vergleich) und Halogenglühlampen mit elektronischen und konventionellen Transformatoren durchgeführt. Erstaunlicherweise bot nur jeweils ein EVG der drei führenden Hersteller eine vollständige Ausregelung von Schwankungen der Eingangsspannung (konstanten Lichtstrom). Man darf spekulieren, es habe sich wohl um die drei Spitzenmodelle dieser Hersteller gehandelt. Teilweise wiesen die KLL wenigstens eine lineare Abhängigkeit der Leistung von der Spannung auf statt einer quadratischen wie bei ohmschen Lasten.

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Zuverlässigkeit elektronischer Vorschaltgeräte

Es gibt kaum quantitative Zuverlässigkeits-Auswertungen von EVG. Eine Quelle spricht von einer Ausfallquote unter 2% je 1.000 Betriebsstunden. Das klingt gut, bedeutet aber für eine Verkaufsstätte mit 3.000 Betriebsstunden im Jahr immer noch 6% Ausfälle im Jahr. Im Dauer-Betrieb, etwa in U-Bahn-Anlagen, bedeutet dies schon jährlich mehr als einen Ausfall je 6 Stück. Eingedenk dessen mutet es schon etwas befremdlich an, diese Zahl ausgerechnet in einer Quelle zu finden, die sich für den Einsatz von EVG stark macht.

Es mag kaum spektakulär wirken, wenn Hersteller bestimmter, weiter unten betrachteter, nur zusammen mit induktiven Vorschaltgeräten nutzbarer Anlagen an den EVG kein gutes Haar lassen. Wohl aber ist es der Frage wert, warum neutrale Sachverständige, Gutachter und zusehends mehr Betriebstechniker beim Einsatz von EVG ernsthafte Bedenken haben. Der Einsatz von EVG ist aus heutiger Sicht unausweichlich, wenn Spitzentechnik wie Dimmung gewünscht werden, da, wie erwähnt, die verfügbaren Dimmtechniken für induktive Vorschaltgeräte heutigen Ansprüchen von Funktionalität und Komfort wie etwa in Konferenzzentren nicht mehr genügen. Für die gewöhnliche »Flächen-Beleuchtung« in Warenhäusern, Supermärkten, durchschnittlichen Büros, U-Bahn-Anlagen, Schulen, in der Industrie und besonders in EMV-kritischen Bereichen oder unter extremen Temperaturen oder mechanischen Schwingungen stellen VVG der jeweils besten verfügbaren EEI-Klasse (siehe Abschnitt »Alte EU-Verordnung«) die optimale Wahl dar. Ihre Ausfallraten liegen in fast jeder Umgebung nahe null, solange die angegebenen Umgebungstemperaturen einigermaßen eingehalten werden, während, wo viel Elektronik eingebaut wird, auch viel Elektronik ausfallen kann. Wie Ironie des Schicksals brach es über die Teilnehmer einer Konferenz über Netzprobleme in einem großen, modernen Brüsseler Konferenz-Gebäude herein, als die komplizierte Lichtsteuerung außer Kontrolle geriet und das Licht eine um die andere Minute abschaltete. Die Hausverwaltung brachte dies mächtig in Verlegenheit, und sie erließ zum Ausgleich für die entgangene Funktionalität dem Veranstalter die Hälfte der Saalmiete. Dieser finanzielle Schaden mag etwa dem Strom-Verbrauch von 1.000 Konferenzen und der mit Hochtechnologie-Beleuchtung, sofern funktionstüchtig, erzielbaren Ersparnis von 4.000 Konferenzen entsprechen. Natürlich ist die Energie-Ersparnis nicht der vorrangige Grund zum Einsatz solcher Hochtechnologie in solchen Räumen. Vielmehr liegt der im Vorhalten der Möglichkeit jedes nur erdenklichen Beleuchtungs-Szenarios für wahrhaft alles, was wohl jemals jemand in einem Konferenzraum vorhat. Dennoch – oder gerade deshalb – dürfte die Rufschädigung eines solch peinlichen Vorkommnisses erheblich schwerer wiegen als die einer nicht so komplizierten, weniger eindrucksvollen, weniger vielseitigen Technik, die dafür aber funktioniert.

Ein Vorteil der EVG liegt darin, dass zumindest die meisten von ihnen an jeder vorkommenden Frequenz bis hin zur Gleichspannung funktionieren. Das kann man von einem induktiven Element natürlich nicht erwarten. Zufällig funktioniert zwar ein europäisches VVG für 58 W, 230 V und 50 Hz auch an einem nordamerikanischen Büronetz mit 277 V und 60 Hz, doch ist es reine Glückssache, dass es in diesem einen Fall eben gerade so hinkommt. So wird der Einsatz von EVG (bzw. KLL) beispielsweise dort erforderlich, wo eine Notlicht-Anlage normalerweise vom Netz, bei dessen Ausfall jedoch aus einer Gleichstromquelle gespeist wird.

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