Eigenschaften von Kupfer-Zinn (Zinnbronze)-Gusslegierungen

Die Eigenschaften der zinnhaltigen Kupfer-Gusslegierungen werden primär vom Zinngehalt und erst in zweiter Linie vom Zusatz weiterer Legierungselemente bestimmt. Durch Variation der Zusätze können diese Legierungen diversen Bearbeitungs- und Anwendungsmöglichkeiten angepasst werden, dadurch ergeben sich viele Möglichkeiten für den industriellen Einsatz. Hierbei sollte berücksichtigt werden, dass die Gusslegierungen gegenüber den dichteren Knetwerkstoffen eine relativ große Porosität aufweisen können. Diese Legierungen besitzen eine hohe Korrosionsbeständigkeit, wobei die Widerstandsfähigkeit im Allgemeinen mit steigendem Zinngehalt (max. bis 40 %) zunimmt.

Physikalische Eigenschaften

In der Ausklapp-Tabelle sind einige wichtige physikalische Eigenschaften der genormten zinnhaltigen Kupfer-Gusslegierungen zusammengestellt.

Die lachsrote Farbe des Kupfers ändert sich mit steigendem Zinngehalt über Braunrot und Gelbrot bis zu rötlich-gelben, gelben und grünlich-gelben Tönen. Legierungen mit ca. 20% Sn im Bereich der ε-Phase sind silberweiß und haben im polierten Zustand ein hohes Reflexionsvermögen.  Höhere Nickelzusätze verleihen silberweiße Töne.

Die Dichte der binären Kupfer-Zinn-Gusslegierungen wird durch den Zinnzusatz nur wenig beeinflusst, das gilt auch für Zinkzusätze.  Durch Bleigehalte wird die Dichte entsprechend dem spezifischen Gewicht des Bleis erhöht.

Die Dämpfung nimmt mit zunehmendem Anteil der δ-Phase ab.  So haben Legierungen z.B. mit 20% Sn, die sog.  Glockenbronzen, nur eine geringe Dämpfung.  Mit zunehmenden Bleigehalten steigt die Dämpfung, dies wirkt sich bei bleihaltigen Lagerwerkstoffen günstig aus.

Elektrische Eigenschaften

Die Abhängigkeit der elektrischen Leitfähigkeit vom Zinngehalt ist in Bild 8 angegeben. 

Demnach setzen steigende Zinngehalte (bis zu ca. 32%) die elektrische Leitfähigkeit der binären Kupfer-Zinn-Gusslegierungen soweit herab, dass sie bei einem Zinnzusatz von 5% bei ca. 10 m/(Ω *mm²) liegt.  Phosphorgehalte bewirken eine weitere Verminderung der elektrischen Leitfähigkeit, wie sie Bild 9 zeigt.  Die Kurven für Kupfer-Zinn-Legierungen mit 0,05% und 0,40% P verdeutlichen, wie stark Phosphor die Leitfähigkeit beeinträchtigt.  Aus dem gleichen Bild ist auch der geringe Einfluss der Temperatur ersichtlich, danach ist die elektrische Leitfähigkeit bei 200°C etwas niedriger als bei 20°C.

Den vermindernden Einfluss des Phosphors auf die elektrische Leitfähigkeit zeigt an den Legierungen CuSn12-C und CuSn5Zn5Pb5-C auch Bild 10.  Weitere im Mischkristall lösliche Zusätze, wie z. B. Zink oder Nickel, setzen die elektrische Leitfähigkeit ebenfalls herab.

Bild 8: Elektrische Leitfähigkeit der Kupfer-Zinn-Gusslegierungen bei Raumtemperatur in Abhängigkeit vom Zinngehalt (DKI 4514)
Bild 9: Elektrische Leitfähigkeit binärer Kupfer-Zinn-Legierungen mit verschiedenen Phosphor-gehalten bei 20 und 200 °C in Abhängigkeit vom Zinngehalt (DKI 2548)
Bild 10: Einfluss des Phosphorgehaltes auf die elektrische Leitfähikgkeit von CuSn12 und CuSn5ZnPb (DKI 2459)

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Wärmeleitfähigkeit

Der Längenausdehnungskoeffizient steigt mit zunehmendem Zinngehalt leicht an (s. Ausklapptabelle).

Die Schmelzwärmen von genormten zinnhaltigen Kupfer-Gusslegierungen liegen alle bei etwa 284 J/g, die spezifische Wärmekapazität für diese Legierungen beträgt 0,377 J/(g * K).

Die Wärmeleitfähigkeit der binären Kupfer-Zinn-Gusslegierungen nimmt mit dem steigenden Zinngehalt ab, sie ist in Abhängigkeit vom Zinngehalt für 20 und 200°C in Bild 11 dargestellt.  Das Bild zeigt, dass die Wärmeleitfähigkeit des reinen Kupfers nahezu von der Temperatur unabhängig ist, während sie bei den Kupfer-Zinn-Gusslegierungen - wie auch bei anderen Legierungen - mit der zunehmenden Temperatur ansteigt.  Diese Tatsache wird in Bild 12 am Beispiel der Legierung CuSn5Zn5Pb5-C  wiedergegeben.

Bild 11: Wärmeleitfähigkeit von binären Kupfer-Zinn-Legierungen bei 20 und 200 °C in Abhängigkeit vom Zinngehalt (DKI 2583)
Bild 12: Wärmeleitfähigkeit von CuSn5Zn5Pb5-C in Abhängigkeit von der Temperatur (DKI 3435)

Magnetische Eigenschaften

Bei diesen Legierungen werden die magnetischen Eigenschaften vor allem vom Eisengehalt bestimmt.  Eisenfreie Kupfer-Zinn-Gusslegierungen sind schwach diamagnetisch und haben eine Suszeptibilität(Χ) von ca.-0,1*10-6(bei H=80 A/cm).  Zinnzusätze fördern in binären Kupfer-Zinn-Gusslegierungen den DiamagnetismusMit dem Auftreten der γ-Phase wird ein stärkerer Diamagnetismus (Χ=-0,4*10-6) beobachtet.  Geringe Mengen an Eisen führen bereits zu einem schwachen Paramagnetismus.  Bei Eisengehalten ab etwa 0,1 % kann sich das Eisen sogar in freier Form ausscheiden und der Werkstoff wird ferromagnetisch.  Ein solcher "Ferromagnetismus" kann dann durch Homogenisierungsglühungen oder unterschiedliche Abkühlungsgeschwindigkeiten nicht mehr herabgesetzt werden.

Bei Kupfer-Zinn-Gusslegierungen mit weiteren Legierungselementen, die mit Eisen Verbindungen eingehen, wie z. B. Phosphor oder Zink, scheidet das abgebundene Eisen als ferromagnetischer Anteil aus.

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Festigkeitseigenschaften bei Raumtemperatur

Die Festigkeitseigenschaften bilden sich je nach Gießverfahren und der damit verbundenen Erstarrungsgeschwindigkeit aus.  Das ist darauf zurückzuführen, dass diese Legierungen während der Erstarrung infolge der unterschiedlichen Abkühlungsgeschwindigkeiten verstärkt dazu neigen, in metastabile Zustände überzugehen und diese dann auch beizubehalten.

In der Ausklapp-Tabelle sind  die vom Fertigungsverfahren abhängigen Festigkeitseigenschaften vergleichend für Sand-, Schleuder- und Kokillenguss dargestellt. Die Abkühlungsgeschwindigkeit ist der maßgebliche Faktor für den Gefügeanteil des (α+β)-Eutektoids und damit für Zugfestigkeit, 0,2%-Dehngrenze, Härte und Bruchdehnung.  So ist z. B. eine sandgegossene Legierung aus CuSn12-C in ihren physikalischen Eigenschaften einer in Kokillen-, in Strang- oder in Schleuderguss hergestellten Legierung aus CuSn10-C vergleichbar. Optimale Festigkeitseigenschaften haben in Kokillen gegossene Kupfer-Zinn-Legierungen mit Zinngehalten von 9 bis 13 %, diese sind in Bild 13 in Abhängigkeit vom Zinngehalt aufgetragen.   

Danach nimmt die Zugfestigkeit mit steigendem Zinngehalt nur bis zu ca. 10% Sn zu, obgleich die Härte einen kontinuierlichen Anstieg über den gesamten Bereich aufweist, dieses basiert auf der verhinderten Formänderung.  Die 0,2%-Dehngrenze hat ihr Maximum bei ca. 20% Sn.  Die Bruchdehnung steigt zunächst mit dem  Zinngehalt leicht an, nimmt aber mit dem weitersteigenden Zinngehalt und dem Auftreten des δ-Bestandteils immer stärker ab. In Bild 14 ist neben dem Einfluss von Zinn auch der von Zink auf die Zugfestigkeit von bleifreien Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen dargestellt. 

Daraus ist ersichtlich, dass die Zugfestigkeit im Bereich der α-Mischkristalle durch den Zinkzusatz zunimmt (bis max. 5% Sn). Durch höhere Zinkgehalte werden die Werte der Zugfestigkeit für einen konstanten Zinngehalt von über 6 % vermindert. Maximale Zugfestigkeiten werden dann bei Abwesenheit von Zink mit ca. 10% Sn erreicht (s. o.).

Zusätze von Nickel haben einen günstigen Einfluss auf die Festigkeitseigenschaften von Kupfer-Zinn- und Kupfer-Zinn-Zink-Legierungen.

Bild 15 zeigt dies am Beispiel der Legierung CuSn7Zn2Pb3-C (CC493k). Die maximalen Festigkeitswerte liegen für die Zugfestigkeit bei ca. 3,9 % Ni und für die Bruchdehnung bei ca. 3,2% Ni, danach nehmen diese Werte mit steigendem Nickelgehalt wieder ab (bei Bruchdehnung stärker). Die DIN EN 1982 begrenzt jedoch den Nickelgehalt bei 2,0 %.

Der Einfluss von Nickel ist in der Ausklapp-Tabelle durch den Vergleich der Festigkeitseigenschaften von CuSn12-C und CuSn12Ni2-C zu erkennen. Nickel erhöht außerdem die Verschleißfestigkeit und die Druckdichtigkeit der Gussstücke. CuSn12Ni2-C ist als nickelhaltige und bleifreie Variante der Legierung CuSn12-C für die Fertigung von Schneckenrädern entwickelt worden. Bleifreiheit und Nickelgehalt setzen die Gefahr der "Pitting"-Bildung (punktförmiger Korrosionsangriff) wesentlich herab.

Bild 13: Zugfestigkeit, 0,2% Dehngrenze, Bruchdehnung und Härte von Kupfer-Zinn-Gusslegierungen (Kokillenguss) (DKI 2537)
Bild 14: Zugfestigkeit von ternären, in Kokillen gegossenen Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen in Abhängigkeit von Zinn- und Zinkgehalt (DKI 4252)
Bild 15: Einfluss von Nickel auf die Festigkeitseigenschaften von CuSn7Zn4Pb7-C (DKI 4517)

Der Einfluss des Bleis, das in der Grundmasse unlöslich ist, ist aus dem Bild 16 zu entnehmen, in dem die Zugfestigkeit der Kupfer-Zinn-Blei-Gusslegierungen in Abhängigkeit vom Blei- und Zinngehalt dargestellt wird. Durch Bleizusätze werden Festigkeit und Bruchdehnung vermindert. Dem Blei kommt bekanntlich allgemein die Aufgabe zu, die Spanbarkeit und bei Anwendung dieser Legierungen als Lagerwerkstoffe die Gleiteigenschaften, insbesondere die Notlaufeigenschaften, zu verbessern.

Auch die Wanddicke beeinflusst die Festigkeitseigenschaften der Gussstücke. Bild 17 zeigt dies am Beispiel der Legierung CuSn5Zn5Pb5-C, mit steigender Wanddicke nehmen die Zugfestigkeit, 0,2%-Dehngrenze und die Bruchdehnung ab. Hinsichtlich des Wanddickeneinflusses verhalten sich die Kupfer-Zinn- und die Kupfer-Blei-Zinn-Gusslegierungen ähnlich. Einige wichtige technologische Eigenschaften der genormten zinnhaltigen Kupfer-Gusslegierungen sind in der Ausklapp-Tabelle zusammengestellt.

Bild 16: Zugfestigkeit von Kupfer-Zinn-Blei-Gusslegierungen in Abhängigkeit von Blei-und Zinngehalt (DKI 4518)
Bild 17: Mechanische Eigenschaften von CuSn5Zn5Pb5-C in Abhängigkeit von der Wanddicke (DKI 4519)

Die Dauerschwingfestigkeit wird meist als Wechselfestigkeit (bei Beanspruchung auf Biegung „Biegewechselfestigkeit") gemessen. Dass auch die Biegewechselfestigkeit vom Gießverfahren erheblich beeinflusst wird, zeigt Bild 19 am Beispiel der Legierung CuSn7Zn2Pb3-C, bedingt durch die hohe Abkühlungsgeschwindigkeit hat der Strangguss höhere Werte als Sand- oder Kokillenguss.

In Ausklapp-Tabelle sind ebenfalls Werte für Scherfestigkeiten enthalten, die für Kupfer-Zinn- und Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen bei ca. (0,75 bis 0,8) * Rm und für Kupfer-Blei- Zinn-Gusslegierungen bei ca. (0,6 bis 0,75) Rm liegen.

Da es sich bei den Bronzen um kfz-Metalle (kubisch-flächenzentriertes Gitter) handelt, ist die Prüfung der Kerbschlagzähigkeit über die Temperatur für diese Werkstoffgruppe ohne Relevanz.

Dagegen können Legierungen mit niedrigen Kupfergehalten und insbesondere Legierungen mit Bleizusatz auf Kerbschlagzähigkeit geprüft werden. Die erhaltenen Kennwerte können dann einer relativen Bewertung und damit der Überwachung der Gleichmäßigkeit der Fertigung dienen, die Größe der Kerbschlagzähigkeit erlaubt jedoch keine Rückschlüsse auf das Bauteilverhalten. Einige Werte sind in Tab. 2 enthalten.

Bild 19: Biegewechselfestigkeit von Stäben aus CuSn7Zn4Pb7-C bei verschiedenen Gießverfahren (DKI 2547)
Bild 20: Kerbschlagzähigkeit binärer Kupfer-Zinn-Gusslegierungen (Kokillenguss) – Versuche an Izod-Proben – in Abhängigkeit vom Zinngehalt (DKI 2543)

Die Prüfung auf Kerbschlagzähigkeit ist bei den verschiedenen Werkstoffen grundsätzlich in folgende Kategorien eingeteilt: (Bild 21)

  • Werkstoffe der Kategorie 1 (Kurve 1): Werkstoffe mit hoher, wenig temperaturabhängiger Zähigkeit → kaltzähe Werkstoffe, z. B. reine kfz-Metalle und homogene CuSn-Legierungen.
  • Werkstoffe der Kategorie 2 (Kurve 2): Werkstoffe mit einem Übergang  vom zähen zum spröden Bruchverhalten, z. B. Baustähle, unlegierte und legierte Stähle mit ferritisch-perlitischer Gefügeausbildung sowie Metalle mit krz- und hdp-Gitterstruktur.
  • Werkstoffe der Kategorie 3 (Kurve 3): Werkstoffe mit niedriger, wenig temperaturabhängiger Zähigkeit, d. h. Werkstoffe bei denen zum Bruch unter zügiger Beanspruchung nur geringe Verformungsarbeit notwendig ist, z. B. Gusseisen mit Lamellengraphit, hochfeste Stähle, martensitisch gehärtete Werkstoffzustände, krz-ß-Messing.
Bild 21: Temperaturabhängigkeit verschiedener Werkstoffkategorien (schematisch) (DKI 6059)

Außerdem zeigt Bild 20 den Einfluss des Zinngehaltes auf die Kerbschlagzähigkeit von Kupfer-Zinn-Gusslegierungen, die in Abhängigkeit vom Zinngehalt sehr stark variieren. Mit zunehmendem Zinngehalt steigen die Kennwerte zunächst an (Maximum bei 5 % Sn) und nehmen dann stark ab. Die Kerbschlagzähigkeit wird auch von Abkühlungsbedingungen beeinflusst. Eine langsame Abkühlung kann das Gefüge soweit homogenisieren, dass die Werte der Kerbschlagzähigkeit drei- bis viermal so groß sein können wie die von Kokillenguss.

Die Spanbarkeit wird bei diesen Legierungen vom Bleigehalt entscheidend beeinflusst. So lassen sich binäre Kupfer-Zinn-Gusslegierungen zwar besser als homogene Kupfer-Zinn-Knetlegierungen zerspanen, doch steigt mit zunehmendem Zinngehalt der Werkzeugverschleiß, dadurch wird die Schnittgeschwindigkeit herabgesetzt - auch bei heterogenen Legierungen. Die Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen sind heterogen und haben, soweit sie Blei enthalten, gute Zerspanungseigenschaften. Ähnlich gute bzw. noch bessere Zerspanungseigenschaften haben die Kupfer-Blei-Zinn-Gusslegierungen.

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Festigkeitseigenschaften bei tiefen und hohen Temperaturen

Bei tiefen Temperaturen besitzen die zinnhaltigen Kupfer-Gusslegierungen, wie auch andere Kupferwerkstoffe, ausgezeichnete Festigkeitseigenschaften, die für einige Legierungen in Tabelle 2 zusammengestellt sind. Diese Legierungen zeigen im Tieftemperaturbereich keinerlei Versprödung. Die Zugfestigkeit und 0,2%-Dehngrenze steigen mit abnehmender Temperatur leicht an, Bruchdehnung und Werte für Kerbschlagzähigkeit bleiben fast unverändert. Deshalb sind diese Legierungen für Anwendungen in der Kryotechnik sehr gut geeignet.

Tabelle 2: Mechanische Eigenschaften°) zinnhaltiger Kupfer-Gusswerkstoffe bei tiefen Temperaturen

Bei zinnhaltigen Kupfer-Gusslegierungen fallen die Festigkeitswerte mit ansteigender Temperatur ab. Kupfer-Zinn- und Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen mit oder ohne Bleizusatz sind bis zu einer Temperatur von etwa 200°C beanspruchbar.

Bild 22: Festigkeitswerte von C 90700 (ähnlich wie CuSn10-C) in Abhängigkeit von der Temperatur (DKI 2454)
Bild 23: Festigkeitswerte von C83600 (ähnlich wie CuSn5Zn5Pb5-C) in Abhängigkeit von der Temperatur (DKI 2455)
Bild 24: Festigkeitswerte von CuSn10Pb10-C in Abhängigkeit von der Temperatur (DKI 2456)

Die Bilder 22 bis 24 zeigen die mechanischen Eigenschaften von CuSn12-C, CuSn5ZnPb5-C und CuSn10Pb10-C. Hiernach nehmen die Zugfestigkeit, die 0,2%-Dehngrenze und die Bruchdehnung bei höheren Temperaturen ab.

Aus Bild 25 sind Kennwerte für die Kerbschlagzähigkeit von Kupfer-Zinn- Gusslegierungen in Abhängigkeit von Zinngehalt und Temperatur ersichtlich. Bei geringen Zinnzusätzen nimmt die Kerbschlagzähigkeit mit steigender Temperatur ab, bei z. B. 15 % Zinngehalt dagegen nehmen die Werte zunächst mit der Temperatur zu und dann wieder ab.

Zur Beurteilung der Langzeitbeanspruchung bei erhöhten Temperaturen können Kurzzeitwerte nicht herangezogen werden, da unter dem Einfluss von Spannung und Temperatur ein Kriechen des Werkstoffes auftritt. Für dieses Verhalten sind die im Langzeitversuch ermittelten Zeitstandwerte maßgeblich.

Bild 26 zeigt die Zeitstandfestigkeit für unterschiedliche Temperaturen von CuSn5Zn5Pb5-C. Bild 27 gibt für den gleichen Gusswerkstoff die zulässigen Beanspruchungen für eine bleibende Dehnung von 0,01% in 1000 h (Zeitdehngrenze) in Abhängigkeit von der Temperatur wider.

Bild 25: Kerbschlagzähigkeit von Kupfer-Zinn-Gusslegierungen in Abhängigkeit vom Zinngehalt und Temperatur (Linien gleicher Kerbschlagzähigkeit in J/cm 2 , Versuche an Izod-Proben) (DKI 2544)
Bild 26: Zeitstandfestigkeit von CuSn5Zn5Pb5-C (DKI 2541)
Bild 27: 0,01%-Zeitdehngrenze von CuSn5Zn5Pb5-C (Sandguss) (DKI 2542)

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Gleiteigenschaften

Die heterogen aufgebauten Kupfer-Zinn-, Kupfer-Zinn-Zink- und Kupfer-Blei-Zinn-Gusslegierungen zeichnen sich durch vorzügliche Gleiteigenschaften aus und haben sich für die Herstellung von Gleitlagern, Gleitleisten, Gleitklötzen, Zahnrädern und Schneckenradkränzen gut bewährt. In der Praxis ist die auftretende Gleitbeanspruchung für den jeweiligen Einsatz entscheidend. Für die Größe und Art einer zulässigen Beanspruchung sind die Gleiteigenschaften ausschlaggebend, die in erster Linie von der Gefügeausbildung und damit von der chemischen Zusammensetzung eines Werkstoffes abhängig sind. Die Eigenschaften vieler Gleitwerkstoffe hängen jedoch nicht nur von der Zusammensetzung, sondern auch entscheidend vom Gießverfahren ab. So werden z.B. durch das Schleuder- oder Stranggießverfahren  die  Festigkeits-, Gleit- und Verschleißeigenschaften (s. 2.4) grundlegend verbessert. Durch Verbundguss - meist auf festen Stahlstützschalen - wird die Dauerschwingfestigkeit des Gleitlagers soweit erhöht, dass Verbundgusslagerschalen sehr hohe Kräfte aufnehmen können.

Die Kupfer-Blei-Zinn-Gusslegierungen, die mit steigendem Bleigehalt dem Idealtyp eines aus einem harten Gerüst und weichen Bestandteilen bestehenden Gefüges nahe kommen, haben gute Gleit- und sehr gute Notlaufeigenschaften und sind auch für zeitweiligen Schmierstoffmangel und für Wasserschmierung geeignet. Als Massivguss sind diese Legierungen gegen Kantenpressungen recht unempfindlich. Die ausschließlich als Verbundguss auf Stahlstützschalen übliche Legierung

CuSn5Pb20-C aus dieser Gruppe wird im Motorenbau eingesetzt. Bei den übrigen Kupfer-Blei-Zinn-Gusslegierungen handelt es sich um gute Gleitwerkstoffe, die u. a. im Verbundguss hergestellt werden können. Innerhalb dieser Legierungsgruppe kann CuSn10Pb10-C die größten Lasten aufnehmen.

Die Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen weisen einen aus weicher Grundmasse mit harten Gefügeeinlagerungen bestehenden Gefügeaufbau auf und haben gute Gleiteigenschaften. Aus dieser Gruppe besitzt die Legierung CuSn7Zn4Pb7 durch die Herstellung in Schleuder- und Strangguss verbesserte Eigenschaften und hat sich im Maschinenbau als ein gängiger Gleitwerkstoff  bestens bewährt.  Da er für viele Anwendungen den Kupfer-Zinn-Gusslegierungen gleichwertig oder sogar überlegen (gute Notlaufeigenschaften) und dazu kostengünstig ist, konnte er die Anwendung der Kupfer-Zinn-Gusslegierungen zurückdrängen.

Der Gefügeaufbau der Kupfer-Zinn-Gusslegierungen ist gleich mit denen der Kupfer-Zinn-Zink-Gusslegierungen.  Diese Legierungen werden sowohl für Gleitlager als auch zur Herstellung von Schneckenradkränzen eingesetzt.  Werden diese Legierungen ausschließlich für Gleitzwecke eingesetzt, so verbessern die zulegierten Bleigehalte die Notlaufeigenschaften und das Verhalten bei Mischreibungsverhältnissen, dagegen sollten die Schneckenradkränze zur Vermeidung der Pitting-Bildung möglichst kein Blei, aber statt dessen Nickel enthalten.  Daher enthält DIN EN 1982 beide Varianten der Legierung CuSn12-C.  CuSn10-C ist ein Konstruktionswerkstoff und wird heute für Gleitzwecke kaum eingesetzt.                      

Literatur

H. Wübbenhorst, Zum frühen Bronzeguss in Asien, Ägypten und Europa, Gießerei 68 (1981) 25, S. 751-755.

Legierungen des Kupfers mit Zinn, Nickel, Blei und anderen Metallen (Fachbuch), Deutsches Kupferinstitut

H.-J. Wallbaum, "Kupfer" in: Landolt-Börnstein, "Zahlenwerte und Funktionen", 2. Teil, Bandteil 6, S. 639-890, Springer-Verlag, Berlin 1964.

Werkstoff-Handbuch Nichteisenmetalle, Teil lll Cu, VDI-Verlag, Düsseldorf 1960.

Guss aus Kupfer und Kupferlegierungen; Technische Richtlinien, GDM, VDG und DKI, Düsseldorf Berlin, 1997.

Metals Handbook, 9th edition ASM, Metals Park, Ohio 1981.

Richtwerte für die spanende Bearbeitung von Kupfer und Kupferlegierungen (Informationsdruck i. 18), Deutsches Kupferinstitut.

Schweißen von Kupfer und Kupferlegierungen (Fachbuch), Deutsches Kupferinstitut.

Kleben von Kupfer und Kupferlegierungen (Informationsdruck i. 7), Deutsches Kupferinstitut.

Priv. Mitteilung, H. Benninghoff, freier beratender Ingenieur, 2350 Neumünster.

Chemisches Färben von Kupfer und Kupferlegierungen, (Informationsdruck i. 16), Deutsches Kupferinstitut.