Korrosion als Systemeigenschaft

Die Korrosionsbeständigkeit ist KEINE Werkstoffeigenschaft, sondern eine Systemgröße. Diese oft vergessene Tatsache hört sich im ersten Moment banal an, besitzt tatsächlich aber eine erhebliche Bedeutung in der Praxis.

Oft vergessen wird auch, dass es keinen absolut sicheren Werkstoff gibt. Zuweilen wird versucht, diesen Eindruck zu erwecken, jedoch bewegt man sich damit außerhalb der naturwissenschaftlichen Realität. Es gibt keinen Werkstoff, der sich in allen Anwendungen gleichermaßen problemlos verhält. Aus der Betrachtung als Systemgröße leitet sich ein besseres Verständnis dafür ab, dass jeder Werkstoff seine Stärken und Einsatzgrenzen auch unter dem Gesichtspunkt der Korrosionsbelastung besitzt. Ein bekanntes, auch in den einschlägigen Normen aufgeführtes Beispiel sind Chloridionen in Trink- und Brauchwässern, die bestimmten hochlegierten (so genannten nicht rostenden) Stählen erheblich zusetzen können, bei Kupferwerkstoffen aber einen positiven Einfluss bei der Schutzschichtbildung ausüben. Neben werkstofftechnischen Betrachtungen spielen immer auch andere, nicht zwangsläufig korrosionsabhängige System-Faktoren eine Rolle. Ist ein Werkstoff korrosionsseitig von Vorteil, können wie bspw. bei Kunststoffen die spezielle Fügetechnik, die geringe mechanische Belastbarkeit in der Montage oder Produktspezifika wie Schichtaufbau mit entsprechenden Grenzflächenproblemen zu Ausfällen führen, die der metallische Werkstoff nicht kennt.

Korrosion als Systemeigenschaft