Korrosionsformen

Wie bei anderen Werkstoffen auch können sich bei Kupferwerkstoffen spezielle Korrosionserscheinungen einstellen; auf bedeutende soll nachfolgend eingegangen werden.

Flächenkorrosion

Die Flächenkorrosion kann gleichmäßig oder ungleichmäßig die gesamte Oberfläche betreffen. Sie ist in der Regel berechenbar und kann durchentsprechende Dimensionierung des Bauteils berücksichtigt werden. Durch natürliche stabile Deckschichtbildung kann sie auch fast zum Erliegen kommen. Die Patinabildung auf Kupferoberflächen (Dächer) stellt ein gut bekanntes Beispiel hierfür dar.

Lochkorrosion

Speziell in Kupferleitungen der Trinkwasserversorgung sind Korrosionsschäden durch Lochfraß bekannt. Aus langjährigen Erfahrungen und Untersuchungen heraus kennt man Ursachen und Abhilfemaßnahmen. Hinweise zur Planung, Verarbeitung und Inbetriebnahme, die mit den heute lieferbaren Rohr- und Fittingsqualitäten völlig betriebssicher herstellbar sind, können der Literatur entnommen werden.

Selektive Korrosion

Typische Arten bei Kupferwerkstoffen sind die Entzinkung bei Messing sowie die von Aluminium- oder Nickelwerkstoffen her bekannte Entaluminierung bzw. Entnickelung bei CuAl- bzw. CuNi-Legierungen. Die beiden letztgenannten Formen lassen sich durch Einhalten der Normvorgaben für das Verhältnis Al zu Ni vermeiden bzw. spielen praktisch eine untergeordnete Rolle. Entzinkung bei Messing kann durch Beeinflussung des Wassers hinsichtlich pH-Wert und Salzgehalt oder durch entsprechende Werkstoffwahl vermieden werden. Eine Inhibierung ist mittels Legierungszusätzen wie Arsen in geringsten Mengen möglich, entsprechende entzinkungsbeständige Messing-Werkstoffe sind in den Halbzeugnormen enthalten und am Markt verfügbar.

Spannungsrisskorrosion

Spannungsrisskorrosion ist keine Besonderheit von Kupferwerkstoffen oder speziell Messing, wie man aus manchen Darstellungen meint herauslesen zu können. Von ihr sind andere Werkstoffe in gleichem Maß betroffen, es unterscheiden sich die spezifischen Angriffsmittel. Bei Kupfer und Kupferlegierungen sind dies vorrangig ammoniakalische und nitrat- sowie nitrithaltige Lösungen unterschiedlicher Zusammensetzung und Konzentration, daneben können auch Amine, Sulfide und Sulfite schadensauslösend sein. Auch innerhalb der Kupferwerkstoffe ist die Empfindlichkeit unterschiedlich. Während z. B. Messing bekanntermaßen empfindlich sein kann, tritt Spannungsrisskorrosion bei reinem Kupfer selten auf, die meisten Legierungen werden, je nach Quelle, als weitgehend unempfindlich bis beständig eingestuft, wie Bronze oder CuNi.

Bei Messing wusste man noch zu Beginn der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, dass „durch entsprechende Anlassbehandlung, die vom Grade der Verformung abhängt (z. B. 30 min. bei 250 °C), die inneren Spannungen und damit die Neigung des Messings zur Spannungskorrosion herabgesetzt werden können“.